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Die "Wallfahrt zum Heiligen Haupt"

Das ausdrucksstarke Antlitz ist das Haupt eines Kruzifixes, das außen an der Kirche St. Oswald in Traunstein unter einem Schwingboden angebracht war. Während des spanischen Erbfolgekrieges wurde die Stadt am 23. August 1704 von plündernden Panduren niedergebrannt. Beim großen Stadtbrand, dem auch die Kirche St. Oswald zum Opfer fiel, verbrannte das ganze Kreuz mit Ausnahme des ungeschwärzten Hauptes. Dies wurde als göttliche Fügung angesehen. Bei Aufräumarbeiten kam es in den Besitz eines Bauern aus Daxenbach, der es in den Herrgottswinkel stellte und verehrte. Ein Nachfahre - so wird berichtet - hat es später an einem Baum im Garten aufgehängt, worauf es von der Rinde des Baumes umwachsen und geschützt wurde. Es fand daraufhin zunehmende Verehrung, wurde in die Kirche St. Petri gebracht und dort am 2. Juni 1712 an einem Pfeiler bei der Epistelseite aufgestellt. Die steigende Zahl von Wallfahrten, besonders bei Kopfleiden, der Votivtafeln, Wachs- und anderer Opfer veranlasste die "Kreuztracht", eine lokale Bruderschaft, einen eigenen Altar zu stiften (vgl. deren Bericht v. 1875). Das Salzburger Ordinariat erteilte am 15 Januar 1715 hierzu die Genehmigung. Pfarrer Dr. Johann Schübin zu Vachendorf legte diese so aus, dass der Altar in der Marienkirche zu errichten sei, weil dort die Gottesdienste gefeiert wurden. Am 11. August 1715 wurde in einer großen, zahlreich besuchten Prozession unter dem Archidiakon Patrizius von Baumburg das "Heilige Haupt" dorthin, in die Vorgängerkirche der jetzigen Pfarrkirche, übertragen. Um 1725 verfasste Pfarrer Schübin eine Beschreibung der Geschichte des hl. Hauptes, die den Zustrom der Pilger noch mehr förderte, so dass um 1730 alljährlich bis zu 19.000 Wallfahrer gezählt wurden. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts ist die Wallfahrt durch verfügte Erschwernisse und unter dem Einfluss des aufklärerischen Zeitgeistes abgeflaut. 1920 wurde die "Bruderschaft vom hl. Haupte unseres Herrn" gegründet. Das hl. Haupt ist jetzt in einem Glasschrein über dem Tabernakel des Hochaltars angebracht und wird heute noch verehrt. Die Gemeinde feierte bis 2007 alljährlich am Sonntag nach dem Gedenktag des Hl. Laurentius (10. August) ihr "Heilig-Haupt-Fest." Seither wird an diesem Termin nicht mehr festgehalten.

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